DESY News: Unterstützung für die Gebärmutter

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07.08.2026
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Unterstützung für die Gebärmutter

Röntgenlicht von PETRA III liefert wichtige Erkenntnisse über die Alterung der Bänder rund um die Gebärmutter – und hilft so, eine häufige altersbedingte Erkrankung besser zu verstehen.

Frauengesundheit ist in der medizinischen Forschung unterrepräsentiert. Ein Beispiel dafür: Etwa 40 % aller Frauen entwickeln im Laufe ihres Lebens eine Genitalprolaps, meist in der zweiten Lebenshälfte – und doch weiß man wenig darüber, warum sie auftritt oder wie man sie behandeln kann. Ein Forscherteam aus österreichischen und deutschen Instituten hat nun dazu beigetragen, dieses Verständnis zu verbessern – und dabei PETRA III genutzt. Anhand von Proben der Haltebänder der Gebärmutter, untersuchte das Team unter Leitung der Medizinischen Universität Graz und des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf eine vermutete Ursache für die Senkung: Sie verglichen das Verhalten des Strukturproteins Kollagen bei Frauen verschiedenen Alters. Die Ergebnisse, veröffentlicht im Journal Acta Biomaterialia, helfen, die Rolle dieser Bänder für den Halt der Gebärmutter zu verstehen.

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Die Gebärmutter wird von mehreren Bändern gestützt, von denen das größte vom Forschungsteam mithilfe der Röntgenstrahlen von PETRA III hinsichtlich der Qualität seines Kollagengehalts in Abhängigkeit vom Alter der jeweiligen Person untersucht wurde. (Bild: “Utérus” by Servier Medical Art, CC BY 2.0)
Eine Organsenkung tritt auf, wenn ein Organ seine natürliche Position im Körper verlässt. Bei der Beckenbodensenkung vermuten Forschende bislang, dass die Ursache in der Schwächung der Bänder rund um die Gebärmutter liegen könnte, darunter das breite Gebärmutterband. Das breite Gebärmutterband verbindet die Gebärmutter mit der inneren Beckenwand erklärt Annika vom Scheidt, Wissenschaftlerin an der Medizinischen Universität Graz und Leiterin des Forschungsteams. Bänder bestehen aus stabilem, zugleich elastischem Bindegewebe und geben Gelenken oder Organen Halt. Ihre Festigkeit und Elastizität verdanken sie dem Protein Kollagen, einem Biomolekül, das in langen Tripelhelix-Strukturen aus Aminosäuren vorkommt. Kollagen ist das tragende Protein im menschlichen Bindegewebe und reguliert, wie stark sich Gewebe unter Belastung dehnen kann, sagt vom Scheidt.

Da Bänder reich an Kollagen sind, lag die Hypothese nahe, dass die Bänder aufgrund altersbedinger Degeneration des Proteins an Stabilität verlieren. Um dies zu überprüfen, untersuchte das Team aus Ingenieur:innen, Physiker:innen und Kliniker:innen Gebärmutterbänder von Frauen im Alter zwischen 18 und 89 Jahren. Für die Analyse nutzten sie das Röntgenlicht der DESY-Lichtquelle PETRA III, um die Kollagenstruktur in den Bändern zu untersuchen. Dabei kam die Experimentierstation P03 zum Einsatz, die normalerweise Grenzflächen funktionaler Materialien – von Solarzellen bis hin zu neuartigen Werkstoffen oder biologischer Materie – analysiert. „Wir können hier auch Knochen, Muskeln, Implantate und viele andere Proben untersuchen, die einen direkten Nutzen für die Gesellschaft haben“, erklärt Matthias Schwartzkopf, Wissenschaftler an der P03-Beamline.

In diesem Fall verwendeten die Forschenden hauchdünne Gewebeschnitte der Bänder als Proben und verglichen jüngeres mit älterem Gewebe – auch unter zweiachsiger Zugbelastung. Bei der Untersuchung der Kollagenstruktur stießen sie auf eine Überraschung: Es gab kaum bis keine Unterschiede zwischen dem Kollagen junger und älterer Frauen, sagt Schwartzkopf.

Allein das Altern scheint die Kollagenstruktur nicht zu beeinträchtigen, fügt vom Scheidt hinzu. Unsere Ergebnisse zeigen keine klaren altersabhängigen Veränderungen im Kollagenverhalten des breiten Gebärmutterbands. Allerdings gibt es bei einer Untergruppe älterer Frauen subtile, nanoskalige Veränderungen im Kollagen, die möglicherweise zur Entstehung der Erkrankung beitragen.
Diese Erkenntnisse liefern Einblicke in die zugrunde liegenden Mechanismen, die bisher weitgehend fehlen, und könnten schrittweise zu besseren Behandlungsstrategien in der Zukunft beitragen, indem sie Chirurg:innen helfen, die Gewebequalität besser einzuschätzen.

Schwartzkopf betont außerdem die Bedeutung von Körperspenden für den Erfolg dieser Studie: Dies war nur möglich, weil Menschen ihren Körper für Lehre und Forschung gespendet haben – für diese und viele andere medizinische Studien sind solche Spenden unersetzlich und tragen dazu bei, das Leben vieler anderer Menschen zu verbessern.“

„Zu verstehen, ob sich das biomechanische Verhalten der Stützgewebe der Gebärmutter mit dem Alter verändert, ist entscheidend, um die Behandlungsmöglichkeiten bei Genitalprolaps zu verbessern, sagt vom Scheidt.

Veröffentlichung

A vom Scheidt et al., "Collagen behavior in the human broad ligament under biaxial tensile testing with small-angle X-ray scattering," Acta Biomaterialia 217, 2026, DOI:10.1016/j.actbio.2026.04.050