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DESY News: Doppel-Düse spart Protein-Kristalle
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Doppel-Düse spart Protein-Kristalle
Eine neuartige Injektionsdüse reduziert den Verbrauch wertvoller Proteinkristalle in der Kristallographie und erweitert das Spektrum dieser weit verbreiteten Analysemethode. Durch das innovative Konzept kommt die serielle Röntgenkristallographie, mit der sich die räumliche Struktur von Proteinen atomgenau bestimmen lässt, mit bis zu acht Mal weniger Kristallen aus, wie die Entwickler um DESY-Wissenschaftlerin Dr. Saša Bajt vom Center for Free-Electron Laser Science (CFEL) im Fachblatt „Scientific Reports“ berichten. Die Forscher haben mit Hilfe ihrer Düse unter anderem bislang unbekannte Details in der Struktur des Enzyms RNA-Polymerase II bestimmt.
Das Röntgenbild der neuartigen Düse während des Betriebs zeigt den inneren Proteinstrom, der von Ethanol umschlossen ist. Bild: Dominik Oberthür, DESY
Allerdings lassen sich viele Proteine nicht gern in Kristallform zwängen, weil dies ihrem natürlichen Zustand widerspricht. „Proteinkristalle zu züchten ist kompliziert, oft lassen sich nur wenige millionstel Gramm und extrem winzige Kristalle produzieren“, erläutert Dr. Dominik Oberthür von DESY, Hauptautor der wissenschaftlichen Veröffentlichung. Mit den extrem hellen Blitzen sogenannter Freie-Elektronen-Röntgenlaser (XFEL) lassen sich selbst solche winzigen Kristalle noch analysieren, aber in der Regel sind tausende Streubilder nötig, um die Proteinstruktur zu bestimmen. Da die empfindlichen Mikrokristalle jedoch im intensiven Röntgenblitz verdampfen, nachdem sie ihr Streubild erzeugt haben, sprüht man einen beständigen Strahl frischer Mikrokristalle durch den gepulsten Laser. Dieses Konzept nennt sich serielle Röntgenkristallographie und hat die Analyse zahlreicher zuvor nicht untersuchbarer Proteine ermöglicht.
Aber auch solche Mikrokristalle sind oft schwierig zu züchten. Zudem wird in der Regel nur ein kleiner Teil der Kristalle im Strahl tatsächlich von einem Röntgenblitz getroffen – je nach Geometrie des Kristallstrahls und den technischen Parametern des Röntgenlasers. „Je weniger Kristalle, je weniger Proteinmaterial man braucht, desto eher lässt sich die Analyse durchführen“, betont Oberthür. Bajts Team hat daher das neue Konzept einer sogenannten Double-Flow Focusing Nozzle (DFFN) entwickelt, also einer doppelt flüssigkeits-fokussierenden Düse, die den Verbrauch der Proteinkristalle deutlich reduziert. Üblicherweise werden die zu untersuchenden Proteinkristalle in einer Trägerflüssigkeit, dem sogenannten Puffer, durch eine Spezialdüse in den Röntgenlaser injiziert. Um einen dünnen Strahl zu formen, liegt die Düse in der Mitte eines schnellen Gasstroms, der die Trägerflüssigkeit beschleunigt. Für einen stabilen Strahl darf eine Mindestflussrate nicht unterschritten werden, dadurch tropft der größte Teil der Proteinkristalle in der Regel ungenutzt in einen Auffangbehälter und ist verschwendet.
Prinzipzeichnung der neuen Düse: Ein schneller Gasstrom (weiß) beschleunigt einen Ethanolstrahl (blau), in dessen Zentrum die Proteinlösung (grün) injiziert wird. Bild: Anton Barty, DESY, und Juraj Knoška, Universität Hamburg
„Wir reduzieren nicht nur den Kristallverbrauch, unsere doppelt fokussierende Düse nutzt die Röntgenquelle auch effizienter, indem wir die Rate erhöhen, mit der wir hochwertige Streubilder aufzeichnen“, sagt Bajt. „Außerdem ermöglicht das Ethanol als Jet-Flüssigkeit die Untersuchung von Proteinen, die Puffer benötigen, die sich bislang nicht injizieren lassen. Unser Konzept erweitert damit das Spektrum von Biomolekülen, die sich analysieren lassen.“ Bajts Team hat die neue Düse am Röntgenlaser LCLS des US-Teilchenbeschleunigerzentrums SLAC in Kalifornien getestet und sich dafür mit mehreren anderen Forschergruppen zusammengetan, um die Struktur verschiedener Proteine zu entschlüsseln.
Die räumliche Struktur des Enzyms RNA-Polymerase II (hier als sogenannter Cartoon-Plot dargestellt) konnte mit Hilfe der neuartigen Düse erstmals bei Zimmertemperatur analysiert werden. Bild: Dave Bushnell, Stanford University, und Dominik Oberthür, DESY
Die Düse löste dabei auch ein weiteres praktisches Problem dieser Form der Protein-Injektion: An der Kante gewöhnlicher Düsen und im Auffangbehälter unter dem Strahl sammeln sich in der Regel Proteinkristalle und Puffermaterial sowie Eiskristalle und wachsen zu tropfsteinartigen Gebilden heran. Wenn diese Protein-Eis-Stalagtiten und -Stalagmiten in den Röntgenstrahl geraten, machen sie nicht nur die Streubilder unbrauchbar, ihre Reflexionen können so hell sein, dass sie den Detektor beschädigen. Daher müssen derartige Experimente regelmäßig unterbrochen werden, um die Protein-Eis-Tropfsteine zu entfernen. „In unserer Düse verhindert das Ethanol die Entstehung solcher unerwünschten Gebilde und ermöglicht stundenlang stabile Experimentierbedingungen“, erläutert Oberthür.
„Die Düse hat in allen Experimenten extrem gut gearbeitet“, fasst Bajt zusammen. „Wir konnten die Zahl der nötigen Unterbrechungen in einer Schicht von zehn auf null reduzieren und erwarten, dass auch Experimentierstationen an anderen Röntgenlasern sowie an Synchrotron-Röntgenlichtquellen wie PETRA III bei DESY von den Vorteilen unseres Geräts profitieren können.“
An der Arbeit waren auch die Arizona State University, die Cornell University, die University of Minnesota, die Technische Universität Berlin, die Charité Universitätsmedizin Berlin, das Hauptman-Woodward Medical Research Institute, die Universität von Nova Gorica, das Institut für Metalle und Technologie in Ljubljana, das Helmholtz-Zentrum Geesthacht und das Hamburger Center for Ultrafast Imaging beteiligt. Das CFEL ist eine Kooperation von DESY, Universität Hamburg und Max-Planck-Gesellschaft.
Originalveröffentlichung:
Double-flow focused liquid injector for efficient serial femtosecond crystallography; Dominik Oberthür et al.; „Scientific Reports“, 2017; DOI: 10.1038/srep44628
