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Charakteristische Strahlung
entsteht allgemein, wenn man mit Elektronen auf einen Stoff schießt.
Dieser, egal welcher, besteht aus ganz vielen Atomen. Um den
Ursprung der Strahlung zu verstehen, sind daher gewisse
Grundkenntnisse über
den Aufbau eines Atoms notwendig. Du kannst Dir ein Atom wie
einen Verkehrskreisel mit einer Statue in der Mitte vorstellen,
natürlich nur bildlich und viel viel kleiner. Es fahren
nun viele Autos immer um die Statue rum, ohne jemals abzubiegen
(der Kreisel ist sozusagen geschlossen). Die Statue repräsentiert den Atomkern (bestehend aus Neutronen und Protonen, doch müssen wir darauf jetzt nicht näher eingehen). Der ist im Vergleich zur Hülle, den Fahrbahnen, viel kleiner (10000 mal). Leider kann man das nicht so einfach darstellen, versuch einfach, es im Hinterkopf zu behalten. Die verschiedenen Fahrbahnen repräsentieren "Schalen" bestimmter "Energieniveaus", auf denen sich die Elektronen, hier in Form von Autos, bewegen. Auf jede Fahrbahn paßt nur eine bestimmte Anzahl von Autos. Auf die innerste (auch K-Schale genannt) passen 2, auf die nächste 6 (L-Schale), dann 10 (M),18 ... Es hängt von der Art des Materials ab, wieviele Elektronen auf Atombahnen bzw. Autos auf den Fahrbahnen des Kreises fahren. Es werden die Schalen von innen anfangend mit Elektronen besetzt bis die für das Material typische Anzahl verbraucht ist. Es ist also nichts Ungewöhnliches, wenn die erste Schale voll ist, auf der zweiten aber nur 3 der 6 möglichen sitzen (auf den weiteren natürlich keine mehr). Das war es dann eigentlich auch schon mit dem Atommodell. Wenn Ihr bitte im Hinterkopf behaltet, dass der Maßstab (siehe oben) falsch ist und dass die Kreisbahnen nicht so ordentlich angeordnet sind (eher elipsenförmig und 3-dimensional), habt Ihr jetzt hoffentlich eine genügend gute Vorstellung von einem Atom. Ein Material besteht aus abertausenden dieser Atome. Bei Festkörpern sind diese in einem regelmäßigen Gitter angeordnet. Nun aber zurück zur
charakteristischen
Strahlung. Sie entsteht dadurch, dass die Elektronen, die
auf das Material geschossen werden, Elektronen aus den Bahnen
der Atome herausschießen. In unserem Beispiel musst
Du Dir also vorstellen, es gibt eine Zugangsstraße, auf
der Autos ohne Rücksicht auf Verluste in den Kreisel hineindonnern.
Trifft ein solches Auto auf eines der Autos im Kreisel,
so werden sie beide ineinander
verkeilt aus dem Kreisel rausfliegen. Wenn auf diese Art in einer
der inneren Bahnen eine Lücke entsteht, muss ein Auto
von außen nachrücken. Dabei wird Energie frei. Übertragen
heißt das: die Energie, die frei wird, wenn ein Elektron
von einer äußeren in eine innere Bahn springt, um
das Loch des weggeschossenen Elektrons zu füllen, wird als
charakteristische Röntgenstrahlung abgegeben.Dabei entsteht Licht mit unterschiedlicher Wellenlänge, abhängig davon, aus welcher Schale ein Elektron rausflog und aus welcher Schale das Elektron kam, welches das Loch auffüllt. Wichtig ist hierbei noch, dass die mit einer bestimmten Energie heranfliegenden Elektronen nur solche Elektronen des Atoms herausschießen können, die die gleiche oder eine niedrigere Bindungsenergie haben. Grob gesagt heißt das, dass ein Porsche nur von einem Porsche rausgeworfen werden kann, ein Trabi allerdings von einem Porsche, einem Mercedes und einem Trabi. Auch ist das Licht, das beim Auffüllen eines Loches der inneren Schale entsteht, energiereicher (kurzwelliger), als wenn es sich um ein Loch in einer der äußeren Schalen handelt. Anhand dieser charakteristischen Strahlung kann der Physiker auf das Material zurückschließen, auf das geschossen wurde. Das liegt daran, daß jeder Stoff anders angeordnete Schalen bzw. Energieniveaus hat und damit nach Beschuß mit Elektronen ein für ihn typisches Spektrum charakteristischer Röntgenstrahlung aufweist. |