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In der Gesellschaft
wurde diese naturwissenschaftliche Entdeckung wie keine vor ihr
aufgenommen. Das Gefühl, etwas sehen zu können, was
bisher absolut verborgen war, nämlich das Innere des eigenen
Körpers, löste viele Emotionen aus. Normalerweise werden
physikalische Entdeckungen nur in einem kleinen Kreis Interessierter
diskutiert, aber diesmal war jeder verrückt nach Einzelheiten,
weil es sie selber betraf.
Das Interesse der Bevölkerung
ging bald so weit, dass selbst auf Partys Röntgenapparate
als Attraktion aufgestellt wurden. Zum Vergnügen wurden
dann den ganzen Abend lang Fotos von den eigenen Händen
oder anderen Körperteilen gemacht und anschließend
ausgiebig bestaunt. Von Strahlenschutz hatte man damals offenbar
keinen blassen Schimmer.
 Es ging soweit, dass jeder
Firlefanz geröntgt wurde. Röntgenstrahlung war plötzlich
Bestandteil der Öffentlichkeit und es wurden sogar etwas
ironische Karikaturen wie die obige (Abendgesellschaft der damaligen
Zeit) in Zeitungen veröffentlicht. Selbst in Schuhgeschäften
fand die neue Entdeckung Anwendung - der Kunde konnte sich die
Position seiner Füße in den neuen Schuhen angucken!
Als Röntgen am 23.1. 1896 in Würzburg
seinen einzigen öffentlichen Vortrag hielt, wurde er mehrmals
von stehenden Ovationen unterbrochen. Nachdem er dann während
seines Vortrags auch noch die Hand des Leiters der medizinischen
Fakultät, Prof. von Kölliker, mit Röntgenstrahlen
fotografierte, kannte der Beifall keine Grenzen mehr. Auf den
spontanen Vorschlag von Kölliker hin wurden die
"X-Strahlen"
ab dann in Deutschland nur noch Röntgenstrahlen genannt.
Am
deutlichsten wird diese Welle der Begeisterung durch die
Tatsache, dass selbst der Kaiser, der sonst mit Physik nichts
am Hut hatte, Röntgen schon 2 Wochen nach seiner Entdeckung
zu sich einlud, um ihn zu ehren. Viel wichtiger war dem Kaiser
aber wohl eine sofortige persönliche Vorführung der
Strahlen.
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Bild: |
Seepferdchen; R. Scheidegger, Küssnacht |
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Schuhdurchleuchter; Siemens, Erlangen u. Albis |
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