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Kunterbunte Buntkunde
Trist war es vor der Kreidezeit, als es weder bunte Blüten noch leuchtende Insekten gab. Farblos war die Welt.
Doch mit der Zeit entdeckte die Natur die Farbe für sich. Und so begannen Tiere und Pflanzen, über Farben zu kommunizieren, mit grellen Tönen Feinde zu erschrecken und über warme Liebhaber und Bestäuber anzulocken. Dieser Jahrmillionen andauernde Trend zur Kommunikation in Farbe gipfelte in Deutschland dann am 25. 8.1967. Damals wurde das Farbfernsehen eingeführt.

Gut zehn Millionen Farben kann das menschliche Auge auseinander halten. Darunter sind zahlreiche, die man im elektromagnetischen Spektrum vergeblich sucht: Magenta beispielsweise, oder Braun. Diese Farben sind keine "reinen" Spektralfarben, sondern entstehen, wenn man solche mischt.

Der Farblichtbrunnen
in der Eingangshalle von
"Licht der Zukunft"

Auch der Fernseher mischt Farben und greift nicht direkt aufs Spektrum zurück. Er setzt dabei auf die Grundtöne Rot, Grün und Blau. Additive Farbmischung heißt hier das Phänomen, das auch beim so genannten Lichtbrunnen von "Licht der Zukunft" studiert werden kann (siehe Bild rechts). Dort fließen drei Wasserstrahlen in einer Schüssel zusammen. Das Wasser ist mit farbigen Licht beschienen, so dass sich nicht nur das Wasser, sondern auch die Farben in der Mitte des Lichtbrunnens treffen und mischen. Dort entsteht dann ein helles Weiß. Wenn man einen Strahl unterbricht, mischt sich der Rest zu einer anderen Farbe.

Additive Farbmischung tritt immer dann auf, wenn selbstleuchtende Farben miteinander kombiniert werden. Die meisten Farbeffekte aus Ihrer Umwelt entstehen jedoch subtraktiv. Objekte wie Plakatwände oder Pflanzenblüten, die nicht selbst leuchten, schlucken bestimmte Bereiche aus dem Farbspektrum, mit dem sie beschienen werden. Wird alles geschluckt, gähnt schwarze Leere. Auf diese Weise funktioniert auch das Farbmischen mit dem Tuschkasten: Gelb und Cyan/Blau ergibt dann beispielsweise Grün.


Links: additive Farbmischung von Grün, Rot und Blau.
Rechts: Subtrakitve Fabrmischung von Gelb, Magenta und Cyan.

Während man bei der additiven Farbmischung von den drei Grundfarben Rot, Grün und Blau ausgeht, bilden Gelb, Magenta und Cyan den Ausgangspunkt für die subtraktive Farbmischung. Cyan ist dabei die Farbe, die entsteht, wenn man aus weißen Licht das Rot entfernt. Magenta ergibt sich aus Weiß, wenn der Blauanteil gestrichen wurde.

Das menschliche Auge
Unsere Augen haben keine direkte Möglichkeit, die Wellenlänge des Lichts zu messen, das auf die Netzhaut fällt. Vielmehr sind dort drei unterschiedliche Zelltypen für das Farbsehen verantwortlich. Die Existenz dieser so genannten Zäpfchen wurde bereits 1801 vom englischen Physiker Thomas Young vermutet. Doch erst in den 1960er Jahren wurden die Zellen auch entdeckt. Sie unterscheiden sich durch ihre Empfindlichkeit bezüglich der unterschiedlichen Bereiche des Spektrums. Der eine Typ spricht besonders gut auf Blau an, die anderen auf Grün beziehungsweise Rot.


Die Lichtempfindlichkeit der drei Zäpfchentypen.
Je höher die Kurve, um so stärker sprechen die Zellen
auf die jeweilige Spektralfarbe an. Die "roten" Zäpfchen
werden auch bei Blau aktiv.

Für unser Farbempfinden kommt es nun darauf an, in welchem Verhältnis zueinander diese Farbzellen erregt werden. Schlägt "grün" maximal aus, so sehen wir grün. Wenn alle Zäpfchentypen gleich stark aktiv sind, erkennen wir Weiß. Dabei ist Weiß keine Spektralfarbe. Doch unser Gehirn verarbeitet den Sinneseindruck gerade so, als wäre es eine eigene Farbe. Das erscheint uns ganz natürlich, unterscheidet jedoch das Sehen vom Hören. Denn dringen zwei unterschiedliche Töne an unser Gehör, so nimmt unser Gehirn auch zwei unterschiedliche Töne wahr.

Farben und Gefühle
Farben sind alles anderes als universell. Welche Farben wie empfunden und unterschieden werden, hängt stark vom jeweiligen Kulturkreis ab. So gibt es in einigen Sprachen keine eigenen Worte für Grün und Blau oder Gelb und Orange, während Eskimos alleine 17 Wörter für das Weiß kennen. Auch wenn es darum geht, den Farben Attribute zuzuordnen, ergeben sich Unterschiede zwischen den Völkern. Eine Studie zeigte, dass Japaner und US-Amerikaner die Konzepte "warm" und "kalt" denselben Farben zurechnen. Dabei zählen Rot, Gelb und Orange zu den warmen Farben, während Blau und Grün als eher kalt eingestuft werden. Doch wenn es darum geht, den Farben die Attribute "gut" und "böse" zuzuordnen, ergeben sich Differenzen.

  Japan USA
"Gute" Farben blau, grün rot, gelb, grün
"Böse" Farben rot-magenta orange, rot-magenta

Das zeigt, welch Vorsicht gewaltet werden sollte, wenn man mit Hilfe von Farben kommuniziert. So steht im Englischen die Farbe Blau für Traurigkeit ("feeling blue"), im Deutschen für Alkoholkonsum.

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