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10.10.2018
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Erstes CTA-Teleskop offiziell eröffnet

Das LST-1 gibt sein Debüt auf dem nördlichen Standort des Cherenkov Telescope Array

Im Beisein von mehr als 200 Gästen aus aller Welt ist am Mittwoch auf der Kanareninsel La Palma das erste Gammastrahlen-Teleskop auf einem Gelände des zukünftigen Cherenkov Telescope Array (CTA) Observatoriums offiziell eröffnet worden. Das Teleskop mit der Bezeichnung LST-1 ist das erste von vier Großteleskopen (Large-Sized Telescopes; LST) am nördlichen Standort des CTA-Observatoriums, der sich auf dem bestehenden Areal des Astrophysikalischen Instituts der Kanaren (Instituto de Astrofisica de Canarias; IAC) am Observatorio del Roque de los Muchachos auf La Palma befindet. An diesem Standort sollen auch 15 mittelgroße Teleskope (Medium-Sized Telescopes; MST) errichtet werden.

LST-1, Prototyp der Large-Sized Telescopes (LST) des Cherenkov Telescope Arrays. Bild: IAC, Iván Jiménez; CC BY-NC-ND 2.0 Linkhttps://www.flickr.com/photos/cta_observatory/44389896174/in/album-72157671493684827/
CTA wird das weltweit führende Observatorium für hochenergetische Gammastrahlung aus dem Kosmos sein. Die beobachteten Gammaquanten erlauben Rückschlüsse auf die gewalttätigsten Prozesse im Universum: kollidierende Neutronensterne, gigantische kosmische Teilchenbeschleuniger, Supernova-Überreste und vieles mehr. Das Observatorium soll aus insgesamt 120 Teleskope in drei verschiedenen Größen aufgebaut werden. Diese werden auf zwei Standorte verteilt, einen auf der Nordhalbkugel auf La Palma und einen auf der Südhalbkugel beim Standort der Europäischen Südsternwarte ESO am Mount Paranal in Chile. Mehr als 1400 Wissenschaftler und Ingenieure aus 31 Ländern arbeiten an der wissenschaftlichen und technischen Entwicklung von CTA. DESY, der größte deutsche Partner im CTA-Konsortium, ist für die Medium-Sized Telescopes (MST) verantwortlich und wird das CTA Science Data Management Centre am Standort Zeuthen beherbergen.

Die Grundsteinlegung für LST-1 hatte am 9. Oktober 2015 stattgefunden, im Januar 2017 wurde das Teleskopfundament fertiggestellt. Seit Februar 2018 steht das LST-1-Gerüst, und am 25. September 2018 wurde schließlich die Kamera installiert. Das internationale LST-Team besteht aus mehr als 200 Wissenschaftlern aus zehn Ländern, die sich die Design- und Managementaufgaben aufteilen.

Künstlerische Darstellung der vier CTA-Großteleskope (LST). Bild: Akihiro Ikeshita, Mero-TSK, International; CC BY-NC-ND 2.0 Linkhttps://www.flickr.com/photos/cta_observatory/29380701050/in/album-72157671493684827/
Diese Teleskope messen kosmische Gammastrahlung über die sogenannte Tscherenkow-Strahlung, die entsteht wenn Gammaquanten in die Atmosphäre eindringen. Da kosmische Gammaquanten am unteren Energiebereich, um 20 GeV herum, vergleichsweise wenig Tscherenkow-Licht erzeugen, werden Teleskope mit einer großen Spiegelfläche für diesen Energiebereich benötigt. Vier LSTs werden daher jeweils in der Mitte sowohl des nördlichen als auch des südlichen CTA-Standorts aufgestellt, um den Energiebereich zwischen 20 und 150 GeV abzudecken.

Die LST haben einen Parabol-Hauptspiegel mit 23 Metern Durchmesser, der von einem Gerüst aus verstärkten Kohlefaser- und Stahlrohren getragen wird. Die reflektierende Fläche von 400 Quadratmetern sammelt und fokussiert das Tscherenkow-Licht in die Kamera, wo sogenannte Photomultiplier das Signal aufzeichnen. Obwohl das Teleskop 45 Meter hoch und rund 100 Tonnen schwer ist, ist es extrem wendig und kann innerhalb von 20 Sekunden neu positioniert werden, um kurze Gammastrahlenblitze zu erfassen. Der Prototyp LST-1 ist nun das erste Teleskop an einem der CTA-Standorte, das vom CTA-Observatorium betrieben wird.

 

Weitere Informationen: https://www.cta-observatory.org/lst-1_inauguration