23.09.2014

Big in Japan

EU-Kommission fördert internationale Zusammenarbeit mit Japan

Die Europäische Kommission fördert zwei Projekte mit DESY-Beteiligung, die die Zusammenarbeit mit der japanischen Forschung stärken: E-JADE und JENNIFER sind sogenannte RISE-Proposals, die die Weiterentwicklung von Beschleunigungstechniken und die Zusammenarbeit in Präzisionsmessungen für das Standardmodell der Teilchenphysik zum Ziel haben. RISE ist Teil des EU-Rahmenprogramms Horizon 2020 für Forschung und Innovation, mit dem die Entsendung von EU-Wissenschaftlern ins nicht-europäische Ausland gefördert werden soll. Die beiden Projekte werden jetzt mit zusammen 3,9 Millionen Euro von der EU gefördert.

Weitwinkelaufnahme der Testanlage ATF, in der kürzlich eine Strahlfokussierung, wie sie der ILC fordert, gelang (Foto: KEK).

Das Projekt E-JADE (Europe-Japan Accelerator Development Exchange) beschäftigt sich mit dem Bau zukünftiger, großer Beschleunigeranlagen bei höchsten Energien und soll die Zusammenarbeit zwischen europäischen und japanischen Forschern intensivieren. Ein thematischer Schwerpunkt des Antrags ist neben der Magnetentwicklung für den Ausbau von hochenergetischen Hadron-Collidern (LHC) der International Linear Collider (ILC), dessen Errichtung in Japan intensiv verfolgt wird. Im Vorgriff auf den Beginn der Realisierung dieses Zukunftsprojekts der Teilchenphysik betreibt DESYs japanisches Schwesterinstitut KEK die Advanced Test Facility (ATF), in der die Fokussierung von Elektronenstrahlen auf Nanometer-Größe erprobt werden kann. ATF und die Weiterentwicklung der supraleitenden Hochfrequenz-Beschleunigertechnologie sind Kern der Linear-Collider-Aktivitäten von E-JADE. Zusätzlich wird die Auslegung des Wechselwirkungspunktes für ILC-Experimente in der konkreten Umgebung des japanischen Standorts in den Kitakami-Bergen optimiert. Die japanischen E-JADE-Partner KEK und Universität Tokio sind die führenden Gruppen in der japanischen Linear-Collider-Community; das Programm wird die Vernetzung mit europäischen Partnern vom CERN und aus Frankreich, Spanien und Großbritannien intensivieren. Für vier Jahre wird die EU den Aufenthalt von europäischen Forschern in Japan mit insgesamt 1,6 Millionen Euro finanzieren.

Gegenstand von JENNIFER (Japan and Europe Network for Neutrino and Intensity Frontier Experimental Research) sind Vorbereitung und Durchführung von Präzisionsmessungen und Tests der Quark- und Lepton-Flavour-Struktur des Standardmodells der Teilchenphysik. Auf diesem Gebiet sind die Experimente Belle II und T2K zwei weltweit führende Projekte, die vom KEK-Labor betrieben werden. Beide Experimente erfreuen sich einer erheblichen Beteiligung aus elf europäischen Ländern. Die Fertigstellung des Belle II-Detektors steht bevor; T2K sammelt Daten seltener Neutrino Wechselwirkungen; gleichzeitig werden Studien für einen Upgrade des Experiments zu Hyper-K durchgeführt. Diese Zusammenarbeit soll unter Federführung von KEK in Japan vorangetrieben und weiter ausgebaut werden. Hauptziel des mit insgesamt 2,3 Millionen Euro geförderten Projekts JENNIFER ist die Förderung eines intensiven wissenschaftlichen und technologischen Austauschs mit Forschern aus dem Gastland Japan und zwischen den beteiligten europäischen Partnern aus Forschung und Industrie.